Geschichten: Leben mit Krebs - oder danach. 

Erfahrungen von betroffenen Männern

 

 

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Unsere Geschichten: Leben mit Krebs oder danach

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Persönliche Daten zum Zeitpunkt der Entdeckung des Krebses - Dezember 1998

- Alter: 63 Jahre

- Familie: seit 26 Jahren mit meiner zweiten Frau, zusammenlebend, keine Kinder

- Beruf: Architekt und Stadtplaner

- Wirtschaftliche Situation: freiberuflich tätig, in einem Büro, das, finanziell gut ausgestattet, seit fast 20 Jahren von meiner Frau und mir gemeinsam geführt wird

- Krankenversicherung: Ersatzkasse - Techniker (TK) (ein beibehaltenes Relikt aus früheren Jahren)

- PSA: 5,6

- Krebserkrankung in der Familie: häufiger Tod durch Krebs - Mutter durch Dickdarmkrebs

- Größe: 1,82 m

- Gewicht: 67,5 kg

- Wohnort: Hamburg

 

 

Meine Geschichte:

“Ja, das sieht nicht gut aus - Sie haben Krebs in der Prostata!” Als der Urologe diesen Satz zu mir sagte, wollte ich es eigentlich erst mal gar nicht glauben - und als ich dann langsam die Realität begriff, habe ich mir auf der Nachhausefahrt im Auto ganz laut entgegengeschrieen - “Nein, mich kriegst Du nicht!”

Vorausgegangen war, dass der PSA Wert bei 2 jähriger Routinekontrolle plötzlich auf ca. 4,2 gestiegen war. Auch während einer einjährigen Beobachtung stieg der Wert weiter auf 5,6. Um “sicherzustellen“, ob tatsächlich Krebs Anlass für das Steigen des PSA Wertes war, habe ich mich (leider) zur Biopsie “überreden” lassen. Das Ergebnis sah dann, wie der Arzt ganz richtig meinte, nicht gut aus.

Bei der Biopsie waren 2 von 6 Biopsieproben positiv - der Krebs mittelgradig ausdifferenziert mit Gleason 3+3=6. Ein Knochensyntigramm war negativ - also ohne Metastasenbefund.

Ich habe mit meiner Frau die Situation eingehend erörtert. Parallel dazu habe ich mich umgehört, mich informiert bei Ärzten, in der Presse, bei verschiedenen Institutionen und vor allen Dingen auch bei Freunden - es war und ist besonders wichtig für mich, hier immer wieder Unterstützung und Hilfe zu bekommen.

Der mich schon einige Zeit behandelnde Urologe hat uns gesagt: “Eine Operation ist jetzt unbedingt notwendig, und zwar kurzfristig - ich mache für Sie einen Termin in dem naheliegenden Universitätskrankenhaus - nächste Woche.” Das habe ich gestoppt. Nein, nein, das wollte ich nicht. Nicht, bis ich nicht genau wusste, was das bedeutet. Ich wollte nicht einfach etwas veranlassen, dessen Konsequenzen ich nicht übersehen konnte.

Nachforschungen hatten mir gezeigt, dass eine Operation offenbar auch Nachteile mit sich brachte, über die mir die Ärzte wenig erzählt hatten.

Eine befreundete Ärztin hat mich zudem animiert, mir mit meiner Entscheidung Zeit zu lassen und erst mal ausreichend Informationen einzuholen, bevor ich irreversible Maßnahmen veranlasse.

So war für mich klar - erst einmal wollte ich mehr verstehen, warum ich wohl Krebs gekriegt hatte, bevor ich etwas gegen diesen Krebs tun wollte. Mir wurde klar, dass ja nach “Beseitigung” dieses einen Krebses, wenn ich nichts gegen seine Ursachen getan hatte, an gleicher oder anderer Stelle wieder Krebs auftreten könnte. So beschäftigte ich mich erst mal mit den möglichen Gründen, die unter anderem dazu geführt haben konnten, dass ich Krebs bekommen hatte.

Meine Mutter, ihre Schwester und deren Mutter - sie alle waren an Krebs gestorben. Meine Schwester bereits an Krebs erkrankt.

Diese Belastung war mir schon seit langem bewusst - ich war deshalb schon seit langem aufmerksam. Ich hatte auch schon psychotherapeutische Gruppen mitgemacht, um mein Bewusstsein für meine Gefühle zu schulen. Auf der Suche nach möglichen Gründen für meinen Krebs bin ich nun mit meiner  Aufmerksamkeit in meine eigene Geschichte gegangen. In meiner Erinnerung tauchte der Satz auf - immer wieder gesagt von meiner Mutter: “Junge - sitz nicht ‘rum - träume nicht, tue etwas Vernünftiges.” Mir wurde klar, dass genau hierdurch die Entwicklung meines “Eigenen” stark gestört worden sein musste. Ich war dann in meinem Leben einen Weg gegangen, bei dem ich immer wieder das wohl fehlende Eigene durch einen besonders starken Einsatz mit besonders viel Energie ersetzen musste.

Als ich mich in einer kleinen Klinik in Bayern zur Information über meine Heilungsmöglichkeiten aufhielt, ging ich durch diese ruhigen Klinikräume. Plötzlich war da ein Gefühl von Sehnsucht nach Ruhe oder in Ruhe gelassen werden. Ich hatte Lust dazubleiben. Diese Ruhe, dieses Versorgtwerden zu genießen. Inzwischen habe ich verstanden - da war die Sehnsucht mal herumzusitzen, ohne etwas tun zu müssen - ohne etwas zu müssen. Die Worte meiner Mutter tauchten auf: “Träume nicht - sitz nicht ‘rum, tue etwas Vernünftiges!”

Als ältester Sohn war ich für die Ehe meiner Eltern verantwortlich - mit großer Verpflichtung besonders und gut zu sein im Leben. So musste ich in meiner Vorstellung ganz offensichtlich beweisen, dass sich die Ehe meiner Eltern “gelohnt” hat - musste etwas leisten, um diese Sehnsucht meiner Mutter zu erfüllen.

So hatte ich ganz offensichtlich die Erfahrung gemacht, dass ich etwas leisten muss, um die Liebe meiner Mutter zu erhalten. Später habe ich ebenfalls ganz offensichtlich dies auch auf Kontakte zu anderen Frauen übertragen: Um ihre Liebe zu bekommen, muss ich etwas leisten.

Nachdem ich meine eigene Geschichte mit dieser und weiteren Erlebnissen und Erfahrungen, teilweise mit intensiver Hilfe von psychotherapeutischen Lehrern, etwas besser verstehen konnte, habe ich mich wieder der medizinischen Seite für eine Heilung zugewendet. So habe ich mich bei den verschiedensten Institutionen und Personen informiert.

Ich habe mich zusammen mit meiner Frau mit dem Chefarzt der Urologischen Abteilung eines Universitätskrankenhauses unterhalten. “Sie müssen sich unbedingt operieren lassen, und zwar sofort.” war seine Aussage. Meine Zweifel wurden mit dem Satz beantwortet: “Wenn Sie das nicht tun, kommt das einem Selbstmord gleich.”

Ein Feng Shui Arzt hat mir geraten, morgens Müsli mit Kürbiskernen und Leinsamen zu essen, grünen, Schachtelhalm- und kleinblütigen Heideröschentee zu trinken, Tai chi (chinesisches Schattenboxen) zu machen und als Nahrungsmittelergänzung Q10-Kapseln zu nehmen. Aber insbesondere sollte ich meinen Schlaf- und Arbeitsplatz auf schädliche Erdstrahlen untersuchen lassen.

Der Chef einer kleinen Klinik in Bad Aibling hat mir zu einer Hyperthermie (Überwärmung) der Prostata geraten. Vorteil: Wenn es nicht wirken sollte, bleiben alle anderen Behandlungen möglich. Die Funktion der Prostata bleibt erhalten. (Kosten ca. DM 4.000,--, Dauer ca. 3 Tage. Die Krankenkasse - TK - wollte dies nicht zahlen.)

Ein uns als besonders fähig genannter Urologe in München hat mir unbedingt und sofort zur Operation geraten. Dass dies richtig sei, könne ich schon daran erkennen, dass dies der Weg sei, den die meisten Männer gingen. Er riet, für eine Operation in die USA zu fahren. Dort in einer Mayo Klinik würden besonders schonende Operationen durchgeführt. Der Vorteil sei dort, dass die Nerven am Rande der Prostata soweit möglich erhalten würden und damit die Funktion der Prostata. (Kosten ca. DM 35.000,--, Dauer ca. 2-3 Wochen. Die Krankenkasse - TK - würde dies nicht zahlen.)

Der Chefarzt der damals noch existierenden Hackethal Klinik in Bayern hat uns gesagt: “Nicht operieren, aber eine kurze Hormonbehandlung - mit einer viel höheren Dosis als dies langfristig andernorts durchgeführt würde.”

Außerdem sprach ich immer wieder mit vielen anderen Männern, die auch Prostatakrebs hatten. Ich habe mich über ihre Erfahrungen informiert.

Nach all diesen Informationen und Erfahrungen war ich erst mal ganz unsicher - etwas hilflos kam ich mir vor - wem sollte, wem konnte ich vertrauen.

Bis bei einem Besuch eines onkologischen Facharztes dieser mir klargemacht hat, dass Ärzte mir nur helfen können auf dem Wege der Gesundung. Ich alleine muss tatsächlich meine Gesundung in meine Hände nehmen. Nur ich selber kann mich wieder zur Gesundheit führen. Ich selber fand in Gesprächen die Sätze, die dieser Arzt für mich aufschrieb:

- Heilung ist möglich. Ich bin der Boss in meinem Körper.

- Ich suche, finde und gehe meinen Weg.

- Was spannt mich an und was entspannt mich?

- Ja, ich bin selbständig - ich habe meinen eigenen Raum.

Er riet, diese Sätze gleich einer Affirmation mir täglich mehrfach laut zu sagen.

Dies war plötzlich eine Begegnung mit einem Arzt, der für mich ganz andere - ganzheitliche - Sichtweisen deutlich machte, der sowohl schulmedizinische als auch psychische Ansätze vertrat. Das entsprach meiner Vorstellung von der Welt und vom Leben.

Ich begriff, dass Heilung nur durch mich geschehen konnte. Ärzte konnten mir vielleicht mehr oder weniger dabei helfen - aber ich ganz alleine musste den Weg der Heilung finden und auch gehen.

Allmählich entstand in mir tatsächlich ein neues Gefühl von Selbständigkeit.

Ökonomisch war ich seit über 40 Jahren mit einem gut laufenden Büro selbständig. Jetzt tauchte in mir das Gefühl für eine viel weiterreichende innere Selbständigkeit auf, die mir vorher so nicht bewusst war. Plötzlich konnte ich sehen, was jeweils geschah, wenn ich nach Schuldigen suchte für dies oder jenes Ereignis - und vermied wirklich die Verantwortung selber zu übernehmen. Da fand von mir aus offenbar immer wieder eine Übertragung statt - meine Eltern machte ich letztlich verantwortlich. Jetzt begann ich tatsächlich die Verantwortung für mein Denken und Handeln zu übernehmen - das fühlte sich an wie ein neuer Schritt zum “Erwachsenwerden”.

Dieser mich jetzt begleitende Arzt veranlasste mich auch, darüber nachzudenken, welche Ereignisse denn wohl zum vermuteten Zeitpunkt der Entstehung des Krebses für mich von besonderer Bedeutung waren.

Mein Vater ist mit 92 Jahren gestorben - 23 Jahre nach meiner Mutter. So war ich plötzlich der Älteste in der Familie- sozusagen “vorne” in der Verantwortung. Nach seinem Tod gab es für mich teilweise belastende Auseinandersetzungen um ein Erbe. Dies zu bewältigen, hieß für mich, in unserer Familie über Geld zu reden - das tat man eigentlich nicht.

Da war die Veränderung der Beziehung zu meiner Frau dadurch, dass sie ihre Berufstätigkeit teilweise in einer anderen Stadt aufnahm und damit 3-4 Tage in der Woche weg war, während ich in Hamburg blieb - eine Wochenendbeziehung also mit eben reduzierter “Versorgung”.

Ich, der immer weniger im Büro arbeitete, machte immer mehr im Haushalt, weil sie ja jetzt mehr arbeiten wollte - eine eigentlich neue Karrierestufe begann für sie. Also ging ich, der ich doch gerne versorgt werden wollte, aktiv in die Rolle des “Versorgers”. Aber plötzlich, als mir diese Zusammenhänge klar wurden, waren sie dann auch kein Problem mehr für mich.

Wir heirateten - nach 25jährigem Zusammenleben ohne Trauschein - auch dies eine Veränderung. Jetzt war ich mit einer unabhängig von unserem Büro sich voll selbstversorgenden Frau verheiratet. Für den “normalen” Sinn einer Ehe - gemeinsam Kinder zu haben - war es für uns zu spät. Wir hatten uns eine andere Form der Kinder gewählt. Meine Frau mit Studierenden; ich mit dem Versuch, junge Leute in unser Büro als Nachfolger aufzunehmen. Dieser Versuch schlug fehl - das war eine große Enttäuschung für mich.

Es gab für mich eine beruflich sehr schwierige Situation, die durch eine belastete persönliche Beziehung zu einem in der öffentlichen Verwaltung sehr maßgeblich tätigen ehemaligen “Freund” entstanden war. Ich war plötzlich von vielen für unser Büro existentiell wichtigen Aufgaben ausgeschlossen - völlig ungerechtfertigt, wie ich fand. Es tauchten bei mir plötzlich Existenzängste auf, wie ich sie aus viel jüngeren Jahren kannte. Wir waren gezwungen, unsere Aktivitäten mit unserem Büro  in andere Städte zu verlegen. Ein ganz erheblicher persönlicher Einsatz war erforderlich.

Im Rahmen dieser ganzen “Informationstour” wurden mir langsam die Grundlagen für meine Entscheidung klarer, was es bedeutet:

Bei einer Operation und Hormonbehandlung würde die Funktionsfähigkeit der Prostata weitgehend eingeschränkt. Die Gefahr der Inkontinenz bleibt offenbar sehr groß. (Ich hatte immer wieder gehört, dass dies auch eine Belastung bleiben könnte.) Die Gefahr des Verlustes der Erektionsfähigkeit ist sehr groß. (Ich habe nicht von einem Mann gehört, bei dem die Erektionsfähigkeit erhalten geblieben ist.)

Und genau dies, der Verlust der Funktionsfähigkeit der Prostata,  war in meiner Vorstellung aber ganz besonders schlimm - mir wurde langsam klarer: Eine Operation oder eine Hormonbehandlung wollte ich nicht, solange sich dies irgendwie vermeiden ließ.

Eine Bestrahlung wollte ich nicht, weil ich den Eindruck hatte, dass zusätzliche Radioaktivität sicherlich nicht gut sei für mich. Die Methode implantierter radioaktiver Teilchen (Seets) wollte ich deshalb auch nicht und weil dann zusätzlich eine Operation nicht mehr möglich wäre. Eine Ausschälung wollte ich nicht, weil dabei die Möglichkeit bestand, dass “Restbestände” der Krebszellen in der Prostata verblieben. Inzwischen hatte ich aus Veröffentlichungen gelernt: Die Lebenszeit nach der Diagnose Prostatakrebs ist statistisch fast gleich lang mit oder ohne Operation oder andere Behandlungen - nur die Lebensqualität ist ohne diese “radikalen” Wege eben sehr viel besser (siehe z.B. NHS Centre for Reviews and Dissemination, The University of York Vol 2 Issue 2, February 1997 - Sreening for Prostate Cancer). Auf der Grundlage all dieser Informationen habe ich für mich einen Weg entwickelt, auf dem ich seit dieser Zeit gehe - gewiss manchmal etwas unsicher, aber meistens mit viel Spaß.

• Ich habe mich schließlich entschlossen, eine Hyperthermiebehandlung durchführen zu lassen.  Mit etwas zweifelhaftem Erfolg allerdings: Anstieg des PSA Wertes von 5,6 vor der Behandlung auf 12,5 nach der Behandlung - und einem Absinken auf 7,2 innerhalb der folgenden 6 Monate. Dort blieb der Wert stehen. Außerdem folgten 4 Harnverhalte innerhalb der folgenden 6 Monate - vielleicht eine Folge dieser Behandlung. Diese Harnverhalte, d.h. plötzlich nicht mehr Wasser lassen zu können, waren sehr unangenehm - schmerzhaft. Zweimal wurde ich davon auf Wanderungen in den Bergen überrascht. Jedes Mal rettete mich nur ein möglichst schneller Weg in ein Krankenhaus oder ein Notarzt. Außerdem ist seither ein dünner Urinstrahl und häufiges Wasserlassen - vielleicht als Folge - geblieben.

• Ich bin bewusster mit meiner Ernährung. Ich esse täglich Obst, mit Körnern, möglichst viel Gemüse, noch weniger Fleisch als bisher schon, häufiger Fisch, insbesondere Wildlachs, Hering und Makrele, und eine ganze Reihe von Nahrungsmittelergänzungen  (z.B. PC Spes, Q10, Magnesium Verla, Super Gurana, Shark Cartilage, Spirolina, Natural Vitamin, Saw Palmetto, Glutamin Verla, Sellicium, Calcium Verla, Padina, Vitamin Cm, Oyo, Heilbuttlebertran). Ich trinke viel - besonders Tees (Grünen Tee und Kräutertees), keinen schwarzen Tee, keinen Kaffee.

• In Gesprächen mit meiner Frau wurde mir klar: Die Prostata ist das Sexualorgan des Mannes - also muss hier auch die Sexualität eine Rolle spielen. Dies führte dazu, dass wir - meine Frau und ich - etwa 10 Gespräche mit einem Psychotherapeutenpaar zu diesem Thema durchführten. Mir und auch meiner Frau wurde dabei deutlich, wie wichtig es für uns beide war, jetzt deutlicher über unsere Sexualität zu sprechen. Langsam kehrte Gelassenheit für diesen Bereich bei mir ein. Ich brauchte nicht mehr so oft zu wollen - mit eher steigendem Spaß. So gehen wir seit dieser Zeit sehr viel verständlicher miteinander um - und auch liebevoller.

• Die Möglichkeit einer weiteren Betreuung durch den erwähnten Facharzt für Onkologie habe ich gerne angenommen mit Gesprächen, die alle 6 Wochen stattfinden. Daraus ist für mich ein sehr wichtiger Bezugspunkt geworden - so etwas wie eine “Heimat”.

Ein zentraler Punkt wurde dabei meine seelische und körperliche Selbständigkeit - denn beruflich war ich wie gesagt seit etwa 40 Jahren selbständig. Aber jetzt bekam Selbstständigkeit für mich zusätzlich noch eine ganz andere Qualität. Immer wieder sage ich mir: “Ja, ich bin selbständig - ich habe meinen eigenen Raum.”

• Dem Rat, die Belastung von Erdstrahlung in meinem Schlaf- und Arbeitsplatz messen zu lassen, bin ich gefolgt - mit erschreckenden Erkenntnissen - beide Plätze waren wirklich sehr schlecht - und ich hatte dem Ausführenden vorher keinerlei Hinweise gegeben. Bei der Gelegenheit habe ich posthum auch den Schlafplatz meiner Mutter messen lassen - auch ohne dem Ausführenden Hinweise zu geben. Und in der Tat, meine Mutter hatte an einer besonders stark belasteten Stelle ihres Hauses geschlafen - sie war an Dickdarmkrebs gestorben.

• Der Besuch bei einem Arzt in Bad Aibling, der sich auf Krebstherapie durch Stützung des Immunsystems spezialisiert hat, hat mich veranlasst, auf diesem Feld aktiv zu werden. Er hat für mich ein Programm zur Stärkung meines Immunsystems erstellt. Die gefundenen Nahrungsergänzungsmittel - nicht eben niedrig im Preis - habe ich sodann langfristig eingenommen, zwischenzeitlich überprüft und verändert nach Konsultation mit einer Ärztin für Naturheilverfahren an meinem Wohnort. Diese Ärztin ist weiter für mich eine Begleitung - immer mal wieder meine gesundheitliche Situation zu erörtern.

• Bei einer New York Reise habe ich während eines Einkaufs von Vitaminen (Vitaminshop) von einer dort zufällig kennengelernten Frau den Rat erhalten: bei Prostatakrebs doch das Nahrungsergänzungsmittel PC Spes zu probieren - nach ihrer Information sei dies ein zwar relativ teures (60 Kapseln - 108 US Dollar), aber sehr wirksames Mittel. Ich habe es probiert, erst mit 3 x 1 Kapsel täglich, der PSA Wert fiel innerhalb von 3 Monaten auf 2,6, dann mit 3 x 3 Kapseln täglich, der PSA Wert fiel in weiteren 4 Monaten auf 0,2 - und blieb dort mit Schwankungen seit 1 Jahr stehen. Mit dem Leiter des Forschungsinstituts, das dieses Produkt begleitet, habe ich seither Kontakt - hole mir bei ihm immer wieder Rat. Die Einnahme von PC Spes hatte für mich allerdings auch negative Begleiterscheinungen - wie etwas geschwollene und zeitweise schmerzende Brüste.

• Inzwischen habe ich bereits 2mal eine jeweils ca. 2wöchige Ayurvedakur gemacht. Dabei habe ich sehr schöne Erfahrungen gemacht über die Möglichkeit, versorgt zu werden - sehr körperlich in der Form von Massagen und dergleichen. In der gleichen Klinik gibt es eine onkologische Abteilung, die sich der biologischen Krebsabwehr oder komplementären Onkologie durch Zugabe orthomolekularer Nahrungsergänzungsmittel verschrieben hat. Durch Nahrungsergänzungsmittel werden dem Körper sonst fehlende Stoffe zugeführt. Ich fühlte eine für mich wesentliche Unterstützung meines Weges.

• Ein für mich, für uns, weiter sehr wichtiger Schritt auf dem Wege zur Gesundung ist ein Wohnungswechsel. Von einer für uns zwei zu großen, eigentlich nicht leicht wirklich voll bewohnbaren, relativ dunklen Erdgeschosswohnung sind wir in eine kleinere, sehr helle über den Dächern liegende Wohnung gezogen. Hier habe ich das Gefühl, wirklich “Zuhause” zu sein - so lieb habe ich diese Räume gewonnen.

• Ich lasse alle 8 bis 12 Wochen den PSA Wert kontrollieren, obgleich ich mir bewusst bin, dass dieser nur sehr bedingt Auskunft über Krebs ja oder nein gibt.

• Noch ein für mich sehr wichtiger Punkt ist, dass ich meine Arbeitssituation in meinem Büro stark verändert habe. Ich arbeite jetzt erheblich weniger - ich gehe langsam in den “Ruhestand”. Oder anders: Ich mache  jetzt fast nur noch Dinge, die mir tatsächlich Spaß machen - die ich mit Freude tue. Zugegeben, dies fällt mir jetzt leichter als früher, da ich mit inzwischen 65 Jahren das entsprechende Alter erreicht habe. Ich meditiere täglich, gehe fast täglich spazieren, oft jogge ich, mache täglich Tai Chi, einmal wöchentlich mit einem Lehrer. Ich spiele die Trommel - auch dies einmal wöchentlich mit einem Lehrer.

• Und schließlich setze ich mich kontinuierlich mit Spiritualität auseinander. In diesem Zusammenhang ist für mich Meditation zu einem wichtigen Bestandteil in meinem Leben geworden. Hierbei bewege ich mich in weiten offenen spirituellen Räumen - dies geht für mich manchmal soweit, dass die Frage von Leben oder Tod nicht mehr beängstigend ist. Ich habe gelernt, Dinge anzunehmen, wirklich zuzulassen.

• Ich habe eine Selbsthilfegruppe (SHG) für Prostatakrebskranke Männer ins Leben gerufen, um so auch anderen zu helfen, einen Weg zu ihrer Gesundheit zu finden - ihnen zu zeigen, dass dies nur geht, wenn jeder sich ganz persönlich akzeptiert - also lernt, tatsächlich ICH zu sagen und nicht Man. Ich will mich mit anderen austauschen, um so Erfahrungen zu sammeln, die ich von nicht Betroffenen kaum erhalten kann. Nach meinem Erleben sind dies Erfahrungen, die ich auch von Ärzten meistens nicht erhalten kann.

Ich kann inzwischen feststellen, dass ich ohne Stress bleiben kann. Dies bezieht sich sowohl auf meine Tätigkeiten im Büro als auch auf die außerhalb dieses Feldes, so z.B. beim Kochen, aber auch in der Beziehung mit meiner Frau und meinen Freunden, und ich bin überzeugt, dass dies eine der wichtigsten Merkmale meiner Gesundung sind.

Ich glaube, dass nur das Zusammenwirken all der beschriebenen Maßnahmen die Grundlage für meinen Erfolg auf dem Weg zur Gesundung ist. Dabei ist es sicherlich notwendige Voraussetzung, dass die Entscheidungen für die Maßnahmen immer von mir persönlich gesucht und getroffen wurden - “ich habe meine Gesundung selber in die Hand genommen” - und habe mir hierzu Hilfe geholt. Es war und ist wichtig für mich, mich auf einen Weg zu begeben zu einer tatsächlichen Zufriedenheit. Die Gespräche mit meiner Frau, mit Freunden und Gleichgesinnten oder Gleichbetroffenen waren dabei besonders wichtig und besonders hilfreich für mich.

Ich habe gelernt, wie schön und wichtig es ist, Freunde zu haben. Und ich habe gelernt, dass es einerseits Maßnahmen zur Stützung des körpereigenen, physischen und psychischen Immunabwehrsystems gibt und andererseits Maßnahmen zur Bewältigung oder Beseitigung des Krebes. Für mich war es wichtig, erst einmal die psychischen und physischen Immunkräfte zu stützen und dann erst, wenn dies nicht geholfen hat, den Krebs vielleicht tatsächlich versuchen, aktiv zu beseitigen.

Es geht mir z.Zt. sehr gut - überwiegend - gewiss manchmal kommt da wieder die Angst vor dem Krebs. Aber durch die Form meines jetzigen Lebens finde ich immer wieder einen Weg, der mich zur Freude an meinem Leben führt.

Wenn ich meine Entwicklung in den letzten 2 Jahren betrachte, sage ich, ich bin dem Krebs dankbar, dass er zu mir gekommen ist, mir einen Besuch abgestattet hat. Er hat mir eine große Chance für eine für mich sehr gute Entwicklung gegeben, und so bin ich ihm noch dankbarer, dass er ohne Operation oder dergleichen wieder gegangen ist (jetzt habe ich einen PSA-Wert von 0,2) - gewiss auch nicht ohne Angst, dass er auch mal wiederkommen könnte.

Eine Anmerkung darf hier allerdings nicht fehlen: Dies alles kostet neben persönlicher Energie und Zeit auch Geld - ich bin dankbar, dass ich mir diesen Weg leisten kann. Meine Krankenkasse - die TK - trägt hiervon nur einen sehr, sehr  geringen Anteil.

 

Ergänzung vom 20.10.2002:

Die oben aufgeführten Nahrungsergänzungsmittel nehme ich weiterhin. PC Spes habe ich auf 1 Kapsel pro Tag reduziert und, seitdem dies nicht mehr lieferbar ist, durch ProstaSol ersetzt. Mein PSA-Wert ist parallel zur Reduzierung der PC Spes / ProstaSol Einnahme auf 1,25 gestiegen - dies ist aber nicht verwunderlich, da meine noch vorhandene und, wie ich hoffe, gesunde Prostata PSA produziert. Nach Aussage der Ärzte ist ein Anstieg bis auf 3,0-4,0 wohl normal und zu erwarten.